50 Jahre katholische Kirche St. Nepomuk in Langstadt

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Am 3. Dezember 2017 war der 50. Jahrestag der Benediktion der Langstädter katholischen Kirche. Damals, am 3. Dezember 1967, erfüllte sich für die Langstädter Katholiken ein Herzenswunsch: Sie konnten feierlich ihr eigenes Gotteshaus einweihen. Nach dem Krieg waren viele katholische Vertriebene auch nach Langstadt gekommen und hatten hier eine neue Heimat gefunden. Es war damals – zur einer Zeit, als die Konfessionen noch in ziemlicher Distanz zueinander standen – eine wirklich ökumenische Geste der evangelischen Kirchengemeinde Langstadts, dass die katholischen Christen alle 14 Tage in der evangelischen Kirche Gottesdienst feiern durften. Dafür sind wir auch heute noch dankbar.  

Die Zahl der Katholiken in Langstadt nahm zu, so dass Handlungsbedarf im Blick auf ein eigenes Gotteshaus entstand. Die seinerzeit noch selbstständige Kommune Langstadt stellte kostenlos ein Grundstück zur Verfügung. Nach entsprechenden Planungen in den kirchlichen Gremien konnte mit dem Bau begonnen werden. Durch gute Kontakte zu den amerikanischen Soldaten in der Babenhäuser Kaserne konnte erreicht werden, dass diese mit diversen Gerätschaften zu Hilfe kamen und auch den Erdaushub übernahmen. Viele Langstädter Katholiken halfen mit großem Einsatz beim Bau der Kirche mit. So wurde z.B. der Keller in Eigenhilfe gebaut. Der Flachbau darüber wurde in Fertigbauweise von einer Firma errichtet.  

Am 3. Dezember 1967 war es dann soweit: Prälat Dr. Karl Reis, der damalige Vertriebenenseelsorger der Diözese Mainz, kam nach Langstadt, um die neue Kirche feierlich zu benedizieren. Auch der damalige Langstädter evangelische Pfarrer Alfred Wick war bei der Einweihung dabei. Es war ein bedeutender Tag für die Langstädter Katholiken. Im kirchenrechtlichen Sinn ist St. Johannes Nepomuk keine Kirche, sondern eher eine Kapelle. In ihr gibt es auch keinen Tabernakel.  

Zum 40jährigen Jubiläum hatten wir noch einen Festgottesdienst in kleinerem Rahmen feiern können mit Pfarrer i.R. Christian Dach, meinem langjährigen Vorgänger in Babenhausen sowie Diakon i.R. Elmar Kuhn. Die katholische Kirchenmusik wirkte mit und anschließend schauten wir im Gruppenraum im Keller Bilder bzw. Filmaufnahmen u.a. von der Bauphase, dargeboten von Manfred Frömmel.  

Heute leben 345 Katholiken in Langstadt. Noch wird alle zwei Wochen (im Wechsel mit Hergershausen) eine Vorabendmesse zum Sonntag angeboten. Des weiteren findet auch noch regelmäßig am Donnerstagvormittag eine Werktagsmesse in der Kirche statt. Zur Vorabendmesse kommen im Schnitt zwischen 8 und 18 Gottesdienstteilnehmer. Neben wenigen Langstädtern sind es Gläubige aus Babenhausen, aus Ortsteilen, gelegentlich auch aus Schlierbach, die an der Vorabendmesse teilnehmen. Donnerstags kommt eine treue Gottesdienstgemeinde von 3 bis 5 Damen im vorgerückten Alter zusammen. Aufgrund dieser Gegebenheiten wurde von einem Festgottesdienst zum 50jährigen Kirchenjubiläum und dazugehörigen Aktivitäten abgesehen. Die Realität ist inzwischen eine andere geworden. Wir haben im Rahmen der Vorabendmesse und der Ansprache zum 2. Advent dieses besonderen Ereignisses gedacht.  

Es ist eine Frage der Zeit, eine Frage auch der Unterhaltungskosten, wie lange die Kirche in Langstadt unter diesen Umständen noch weitergeführt werden kann. Ein weiteres kommt hinzu: Im Laufe der letzten Jahre ist immer mehr die Pfarrkirche St. Josef mit den dazugehörigen Gemeinderäumen zum „Hauptort“ aller Katholiken Babenhausens geworden, auch der katholischen Christen der Stadtteile, also auch Langstadts. Hier ist der Ort der pastoralen Arbeit. Hier kommen die Christen der Gemeinde von überall her zusammen, um miteinander zu feiern, um zusammen zu sein, um Glauben und Leben zu teilen. Hier kommen Kinder und Jugendliche aus der Kernstadt und den Stadtteilen zusammen, um sich für die Firmung und Erstkommunion vorzubereiten, sich gegenseitig kennen- und schätzen zu lernen und zu entdecken, dass sie zusammen gehören. Hier kann Gemeinde und der eine oder andere kleine Aufbruch erlebt werden, z. B. das Entstehen einer neuen Kirchenkrippe, gebaut und gestaltet von Kindern der Gemeinde, auch von Kindern aus den Ortsteilen. Die kirchlichen Veränderungen und Umbrüche sind auch in unserer Kirchengemeinde unübersehbar.  

Pfr. Ferdinand Winter