Pfarrer Winter
Liebe Leserinnen und Leser unserer Homepage, liebe Gemeindemitglieder!  
 
Vor einigen Wochen haben wir das Erntedankfest gefeiert. Doch Dankeschön sagen ist nicht nur an einem solchen Fest angesagt. Wenn wir einmal innehalten, ein wenig in uns gehen, fällt uns da nicht vieles ein, wofür wir dankbar sein dürfen?  

Dankbar dafür, dass es uns gut geht …, dass wir eine Familie haben? Dankbarkeit nach einer überstandenen schweren Erkrankung, Dankbarkeit für einen erfüllenden beruflichen Weg. Da ist jemand dankbar, dass er oder sie nach dem Verlust eines lieben Menschen wieder die Spur gefunden hat. Ich kann dankbar für meinen Glauben sein, der mich trägt und hält und mich durch so manche schwere Situation hindurch geführt hat.  

Frau Czernek und ich, wir danken in diesen Tagen dafür, dass wir mit den Menschen unserer Pfarrgemeinde nun schon zehn Jahre gemeinsam einen Weg gehen – im Glauben, im Miteinander als Christen, im Bemühen um die Menschen und ihren Glauben. Wir sind auch sehr dankbar dafür, dass Menschen mithelfen, unterstützen, mitarbeiten. Es gibt so viele Gründe, dankbar zu sein, Menschen zu danken und Gott zu danken.  

Manchmal habe ich den Eindruck, Menschen hätten das Danken verlernt, auch jüngere Menschen. Auch Kinder gibt es, bei denen man vergeblich auf ein „Dankeschön“ wartet, wenn man ihnen etwas Gutes getan, ihnen z.B. etwas mitgebracht hat. Für viele Menschen ist es selbstverständlich, dass es ihnen gut geht, dass sie vieles nutzen und in Anspruch nehmen können. Dass sie das meiste ohne die Hilfe und den Einsatz anderer nicht hätten, kommt ihnen kaum in den Sinn. Menschen sehen vieles als ihren Erfolg, ihre Leistung, als ihr Können an. Warum da danken? „Ich hab das alles hingebracht!“  

Es gibt aber auch die anderen: Menschen, die spüren, dass da noch anderes war und ist, das sie so weit hat kommen lassen, damit sie dieses oder jenes schaffen konnten, dass sie ihre Begabungen entfalten konnten. Sie wissen, dass sie ohne andere Menschen, ohne die Begleitung, die Ermutigung und Hilfe lieber Freunde, Lehrer oder Angehöriger nie so weit gekommen wären. Sie merken oder ahnen zumindest, dass ihnen vieles gegeben war und gegeben ist, was sie sich nicht selbst zuschreiben können, ja dass vieles Geschenk ist. Und manche denken dabei an Gott. Sie wissen: Letztlich verdanken wir ihm alles. Ich hoffe, wir gehören zu diesen Menschen, die das spüren, die das sagen können. Davon spricht ja heute auch das Gleichnis von den Winzern bei Matthäus: Unsere Gaben, die Früchte, die wir bringen können, unser Leben - das alles haben wir von Gott. Ihm gehört es im letzten. Wir können es uns nicht einfach zuschreiben und an uns reißen.  

Danken und Denken, das gehört zusammen. Dankbarkeit kann nachdenklich machen, sagen wir besser: bescheiden machen, sagen wir noch anders: kann den Blick klären, weiten, uns zu tieferen Einsichten führen. Aufrichtige Dankbarkeit kann, will und wird letztlich unseren Blick auch zu denen führen, die mit schweren Lebensumständen zu kämpfen haben. Dankbarkeit ruft in uns zum Teilen unserer Gaben, der materiellen, der intellektuellen, auch der geistlichen. Dankbarkeit ruft uns zur Hilfe, zur Solidarität.  

Ja, es ist gut, immer wieder mal innehalten, zu entdecken wofür kann ich danken. Einmal sagte die Referentin bei einem Bildungsabend: „Entdecken sie bei der Tagesrückschau beim Abendgebet drei Dinge, für die Sie heute Gott danken können. Fallen ihnen am Ende des Tages drei Ereignisse ein, für die Sie Gott Dank sagen können?“  

Gehen wir mit offenen, dankbaren Augen unsere Wege – das wünsche ich uns allen.

Herzlichst
Pfarrer Ferdinand Winter  

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